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Alte Handwerkstraditionen im Salzburger Lungau
Wenn die Leidenschaft wichtiger ist als der Umsatz

 

Der Wagnermeister, der sich seine Bäume im Wald selbst aussucht, der Uhrmacher, der eine Leidenschaft für alte Regulatoren hat, die Goldschmiedin, die sich auf Broschen und Ehrenscheiben spezialisiert hat und der Schnapsbrenner, dessen Bauernhof von vielen Feinschmeckern besucht wird. Im Salzburger Lungau ist erstaunlich viel klassisches Handwerk zuhause, entstehen in kleinen Werkstätten hochwertige Kreationen mit viel Tradition. Beste Voraussetzungen für eine spannende Entdeckungsreise.

 

Zu den Bäumen in den Lungauer Wäldern hat Christian Lassacher eine besondere Beziehung. „Am liebsten gehe ich in den Wald, such mir die Bäume selber aus und überleg mir dabei, welches Teil ich für welche Produkte verwenden kann“, verrät er. Lassachers Beruf hat viel mit Holz und mit Tradition zu tun. In seiner Wagnerei in Tamsweg wird noch echte Handarbeit geleistet, entstehen Dinge, die früher zum Alltag gehörten und nun wieder geschätzt werden. Heute ist die Wagnerei ein Stück Brauchtum und Nostalgie. Früher war der Wagner der Universaltechniker für alle Lebenslagen vom Kutschenrad bis zum Eisstock. Von früher kann Christian Lassacher auch viel erzählen. Seit 100 Jahren ist die Wagnerei ein Familienbetrieb. Insgesamt geht die Geschichte der Werkstatt bis auf das 12. Jahrhundert zurück. Ein ganz besonderer Auftrag aus der Vergangenheit die 50 Wagenräder für die Kutsche des Erzherzog Franz Ferdinand. Kutschenräder waren damals ja aus Holz genau so wie die Räder eines Buick Sanitätswagen aus dem Ersten Weltkrieg, ein Restaurationsobjekt vor einigen Jahren. Heute entstehen in der Wagnerei unter anderem Rodel und Eisstöcke in klassischer Manier mit sorgfältiger Handarbeit und eben aus heimischem Lungauer Holz. Dass man dafür auch etwas mehr zahlen muss, leuchtet ein. Dafür gibt es auch die Möglichkeit der Individualisierung. Bekannt war der Lassacher auch für seine Skiproduktion. Vom guten alten Preber Ski hat er noch einige Exemplare in einem Lagerraum stehen. An Arbeit mangelt es dem Christian mit seinen zwei Mitarbeitern nicht. „Die Leute schauen wieder mehr darauf, dass es authentisch ist und dass man weiß, woher die Sachen kommen“, sagt der Wagnermeister.

 

Traditionelle Handarbeit ist wieder mehr gefragt

Der Lassacher ist im Salzburger Lungau kein Einzelfall. In der südlichsten Region des Salzburger Landes legen die Menschen auch heute noch viel Wert auf Brauchtum und Tradition. Das ist keine touristische Inszenierung, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Alltagskultur und Lebensart. In Zeiten, in denen auch immer mehr Menschen in den Großstädten mehr Wert auf Authentizität und Regionalität legen, ist die Arbeit der Handwerker im Lungau umso mehr gefragt. Diese Rückbesinnung stellt auch Christian Hutter fest, der wenige Querstraßen von der Wagnerei seine Goldschmiede- und Uhrmacherwerkstatt hat. Hutters Spezialgebiet sind Großuhren, Stutzuhren  (bekannt auch als Standuhren), Schwarzwalduhren, Biedermaieruhren, Regulatoren und dabei fast immer alte Uhren. Früher war sein Kundenkreis begrenzt auf den Lungau und Nachbargebiete, aber seit einem Auftritt bei der Sendung Aufgetischt vor zweieinhalb Jahren hat er Aufträge aus ganz Österreich und Bayern. „Die Mechanik einer Uhr zu überholen, Teile zu optimieren oder nachzubauen, das fasziniert mich“, sagt er. Eine schöne Wanduhr, die tickt und ein gutes Schlagwerk hat, das gehört auch zu den traditionellen Werten, die wieder in Mode kommen, ist Hutter überzeugt.

 

Beheizbare Badewannen aus Holz, Ehrenscheiben für das Preberschießen

Spezialisten, die mit viel Liebe und Leidenschaft schöne Dinge auf traditions- und qualitätsbewusste Art kreieren, gibt es im Salzburger Lungau noch mehr. Zum Beispiel die Graveurin und Goldschmiedin Eva Gappmayr in Tamsweg, die in ihrer kleinen Werkstatt namens Hoamat Kreationen fertigt, die viel mit dem Lungau zu tun haben, wie die Gemeindewappengürtel, Broschen und Anstecker oder die Ehrenscheiben für das legendäre Preberschießen, bei dem auf Wasserscheiben im Prebersee gezielt wird. Arbeiten wie in guten alten Zeiten, so wirkt das auch bei Engelbert Sampl in Unternberg. Er pflegt noch das sehr selten gewordene Handwerk des Fassbinders. In der Anfangszeit der Fassbinderei war die Produktion von Holzfässern für Most, Wein und Sauerkraut sowie Waschbottichen etwas ganz Alltägliches. Heute sind beheizbare Holzbadewannen und hölzerne Hollywoodschaukeln gefragte Produkte.

 

Viel Handarbeit und eine gehörige Portion Leidenschaft, die braucht auch Matthias Moser in Zederhaus. In seinem alten Bauernhof entstehen Edelbrände, die über die Grenzen Österreichs hinaus einen exzellenten Ruf besitzen und zahlreiche Auszeichnungen erhalten haben. Bis es so weit ist, braucht es viel Arbeit. „70 Kilogramm Himbeeren sind für ein hochprozentiges Destillat erforderlich“, sagt er. Und die wollen gepflückt sein. Ähnlich aufwändig ist es mit den Wurzeln des Enzians, einem weiteren wichtigen Rohstoff. Was nicht selbst geerntet wird, das wird zugekauft. Und da ist es wichtig, aus welcher Region und von welchem Bauern die Früchte stammen, wie die Williamsbirnen aus dem Burgenland oder die Marillen aus der Wachau. Im Vergleich zu früher trinken die Leute heute weniger und mit mehr Qualitätsbewusstsein, sagt Moser. Für die Qualität experimentiert er mit alten Wein- und Madeirafässern, sorgt so für spezielle Geschmacksnoten. All das lockt viele Feinschmecker in seine kleine Edelbrennerei. Ein prominenter Liebhaber hatte einmal spontan seinen ganzen Lagerbestand weg gekauft. Aber das würde der Matthias heute nicht mehr tun allein schon wegen der vielen Stammkunden.

 

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